Moot Courts
Der
Moot Court1 ist eine dem Rollenspiel ähnliche simulierte Gerichtsverhandlung, in der Studenten der Rechtswissenschaft als Vertreter fiktiver Prozessparteien vor einem Gericht einen Fall verhandeln. Der aus den Vereinigten Staaten stammende Moot Court ist als eigenständige Lehrveranstaltung fester Bestandteil der anglo-amerikanischen Juristenausbildung und zielt auf die praxisnahe Schulung von Rhetorik und freier Rede ab.

RiOLG Axel Wendler
Die Verhandlungen werden von echten Richtern oder Professoren geleitet und richten sich nach dem materiellen Recht. Gegenüber echten Gerichtsverhandlungen werden aber kleinere Abweichungen von der Verfahrensordnung vorgenommen. Dabei handelt es sich insbesondere um Zeitbeschränkungen und Einschränkungen beim Fragerecht des Vorsitzenden damit die mitwirkenden Studenten im Mittelpunkt stehen und ihrer Rolle besser gerecht werden können.
StrafrechtBei einem Strafrechts Moot Court sind dies Verteidigung und Staatsanwaltschaft. Um den Fall realistisch und unterhaltsam zu machen, werden Beweismitteln herangezogen und Zeugen vernommen, die ebenfalls von Studenten gespielt werden.
Strafrechts Moot Courts werden als
Schlüsselqualifikationsveranstaltung gewertet und ermöglichen den mitwirkenden Staatsanwälten und Verteidigern den Erwerb eines Schlüsselqualifikationsscheins.
Bewertet wird die rhetorische Leistung.

Plädoyer der "Staatsanwaltschaft"
ZivilrechtMoot Courts im Zivilrecht werden in Zusammenarbeit mit ELSA Deutschland veranstaltet und werden daher auch als
ELSA-Deutschland - Moot Court bezeichnet.
Die Veranstaltung ist
als Wettbewerb angelegt, d.h. die gewinnende Partei qualifiziert sich für die nächste Runde und tritt gegen ein anderes Team an. Der Wettbewerb wird in drei Ebenen ausgetragen:
Die aus jeweils zwei Studenten bestehenden Teams sind gehalten, fristgerecht Klageschrift bzw. Klageerwiderung aufzusetzen. Sie werden hierbei von Teamberatern aus dem juristischen Berufsleben betreut. Die das Gericht bildenden Professoren, Richter oder Anwälte erhalten zur Urteilsfindung einen Leitfaden und Bewertungsbogen.
Die Teilnehmerbewertung richtet sich neben der juristischen Lösung des Falles primär nach rhetorischem, prozesstaktischem und argumentativem Auftreten vor Gericht.
Moot Court-Verhandlungen sind stets
öffentlich und sind, wie die Erfahrung zeigt, meist sehr unterhaltsam.

Richterin Barbara Salesch
1 to moot [engl.] = diskutieren, erörtern