Moot Courts

Der Moot Court1 ist eine dem Rollenspiel ähnliche simulierte Gerichtsverhandlung, in der Studenten der Rechtswissenschaft als Vertreter fiktiver Prozessparteien vor einem Gericht einen Fall verhandeln. Der aus den Vereinigten Staaten stammende Moot Court ist als eigenständige Lehrveranstaltung fester Bestandteil der anglo-amerikanischen Juristenausbildung und zielt auf die praxisnahe Schulung von Rhetorik und freier Rede ab.


RiOLG Axel Wendler

Die Verhandlungen werden von echten Richtern oder Professoren geleitet und richten sich nach dem materiellen Recht. Gegenüber echten Gerichtsverhandlungen werden aber kleinere Abweichungen von der Verfahrensordnung vorgenommen. Dabei handelt es sich insbesondere um Zeitbeschränkungen und Einschränkungen beim Fragerecht des Vorsitzenden damit die mitwirkenden Studenten im Mittelpunkt stehen und ihrer Rolle besser gerecht werden können.

Strafrecht

Bei einem Strafrechts Moot Court sind dies Verteidigung und Staatsanwaltschaft. Um den Fall realistisch und unterhaltsam zu machen, werden Beweismitteln herangezogen und Zeugen vernommen, die ebenfalls von Studenten gespielt werden.

Strafrechts Moot Courts werden als Schlüsselqualifikationsveranstaltung gewertet und ermöglichen den mitwirkenden Staatsanwälten und Verteidigern den Erwerb eines Schlüsselqualifikationsscheins.
Bewertet wird die rhetorische Leistung.


Plädoyer der "Staatsanwaltschaft"

Zivilrecht

Moot Courts im Zivilrecht werden in Zusammenarbeit mit ELSA Deutschland veranstaltet und werden daher auch als ELSA-Deutschland - Moot Court bezeichnet.
Die Veranstaltung ist als Wettbewerb angelegt, d.h. die gewinnende Partei qualifiziert sich für die nächste Runde und tritt gegen ein anderes Team an. Der Wettbewerb wird in drei Ebenen ausgetragen:
  • Der Lokalentscheid wird in allen 43 deutschen ELSA-Fakultätsgruppen ausgeschrieben.
  • Die Sieger qualifizieren sich für die Regionalentscheide Nord und Süd und streiten um die Teilnahme am Bundesentscheid in den ehrwürdigen Sälen des Bundesgerichtshofes in Karlsruhe.
Die aus jeweils zwei Studenten bestehenden Teams sind gehalten, fristgerecht Klageschrift bzw. Klageerwiderung aufzusetzen. Sie werden hierbei von Teamberatern aus dem juristischen Berufsleben betreut. Die das Gericht bildenden Professoren, Richter oder Anwälte erhalten zur Urteilsfindung einen Leitfaden und Bewertungsbogen.
Die Teilnehmerbewertung richtet sich neben der juristischen Lösung des Falles primär nach rhetorischem, prozesstaktischem und argumentativem Auftreten vor Gericht.

Moot Court-Verhandlungen sind stets öffentlich und sind, wie die Erfahrung zeigt, meist sehr unterhaltsam.


Richterin Barbara Salesch

1 to moot [engl.] = diskutieren, erörtern